Samstag, 12. April 2008

To be or not to be (an Aircraft Carrier)

Mit schönen Bildern und tollen Worten berichtete die Royal Navy gestern über den Einsatz von Harrier Kampfflugzeugen auf dem Flugzeugträger HMS Illustrious. Der Commanding Officer der Illustrious sagte hierzu: "Our ability to operate as a strike carrier is a key component of the UK's defence capability" - den Satz hätte er lieber weglassen sollen.

Der jetzige Trainingseinsatz der Harrier ist der erste seit fast zwei Jahren auf einem britischen Flugzeugträger. Zwei Jahre lang hatte kein einziger Flugzeugträger tatsächlich britische Kampfflugzeuge an Bord. Die Ark Royal ist dauerhaft zum Hubschrauberträger degradiert, die Invincible ist in Portsmouth eingemottet und die einzigen Kampfflugzeuge, die auf der Illustrious landeten waren spanische, italienische und US-amerikanische. Und dies wird sich auch zukünftig nicht ändern: Bereits in wenigen Tagen werden die Harrier die Illustrious wieder verlassen, um in Afghanistan von Land aus eingesetzt zu werden. Wo also bleibt die vielgepriesene "Maritime Strike Capability"?

Fakt ist: Seit der Ausmusterung des Sea Harrier stehen der Royal Air Force und Royal Navy nur noch ingesamt 60 Harrier GR7/GR9 zur Verfügung, von denen selten mehr als 36 gleichzeitig einsatzbereit sind. Diese Maschinen werden jedoch fast ausschließlich in Afghanistan oder zu Trainingszwecken von Land aus eingesetzt, so dass schlicht und einfach nicht genug Maschinen vorhanden sind, um zusätzlich auch nur einen, geschweige denn mehrere, Flugzeugträger mit ihnen auszustatten.

Und wie soll das zukünftig weitergehen? 2016 sollen die zwei neuen und je 2 Mrd. £ teuren, Flugzeugträger der Queen Elizabeth Class einsatzbereit sein, die mehr als doppelt so viele Flugzeuge an Bord haben sollen wie die jetzigen. Wie soll das funktionieren? Wenn die Royal Navy es heute schon nicht hinkriegt einen einzigen ihrer Flugeugträger mit 16 Harriern auszustatten, wie will sie dann zukünftig zwei Flugzeugträger mit insgesamt 72 Harriern versorgen? Von der F-35 Lightning II, dem Nachfolger des Harrier, sollen gemäß der jüngsten Planungen erst ab 2020 genug Maschinen einsatzbereit sein, um auch nur einen der neuen Flugzeugträger damit auszustatten. Und was macht man bis dahin? Abwarten und Tee trinken?

Zumindest einigen Mitarbeitern im Verteidigungsministerium scheint inzwischen klar zu werden, dass es so nicht weitergehen kann. Wie Defense News berichtet, überlegt man inzwischen wieder, die Flugzeugträger, entgegen den ursprünglichen Planungen, doch von Anfang an mit Startkatapulten und Fangseilen auszustatten, um die kostengünstigere und vor allem schneller lieferbare F-18 Hornet oder die Dassault Rafale von ihnen aus einzusetzen.

Dies wäre eine weise Entscheidung, die der Royal Navy endlich wieder die Kapazitäten zur Verfügung stellen würde, die sie so dringend benötigt. Leider lassen die Erfahrungen der vergangenen Jahre Zweifel daran aufkommen, dass die zuständigen Damen und Herren in Westminster zu derart klugen Entscheidungen in der Lage sind. Hoffen wir also auf ein Wunder ...

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