Some Notes on Defence Procurement
Angesichts der immer stärkeren Kürzungen des Verteidigungshaushalts steht das Ministry of Defence bereits seit geraumer Zeit mächtig unter Druck. Besonders von den Sparmaßnahmen der Regierung betroffen ist die Beschaffung neuen Equipments. Einen guten Überblick über die aktuelle Situation in diesem Bereich liefert der Analyst Daniel Darling in seinem jüngsten Artikel.
Wirft man einmal einen Blick auf die aktuellen Beschaffungsmaßnahmen, so fällt einem vor allem eins auf: die ernormen Kosten. Natürlich fragt man sich, warum diese in den vergangenen Jahren so rasant angestiegen sind. Der Bau des Hubschrauberträgers HMS Ocean (Indiensstellung 1998), kostete 154 Mio. £, die Fregatten der Duke Class (Indiensstellung 1990 - 2002) waren für rund 140 Mio. £ pro Schiff zu haben. Inzwischen kann man froh sein, wenn man für das Geld noch ein kleines Patrouillenboot kriegt. Für die Zerstörer der Daring Class muss das MoD bei einem Stückpreis von über einer Milliarde Pfund ein Vielfaches der oben genannten Summen auf den Tisch legen. Das lässt sich auch durch Inflation und Wechselkursschwankungen nicht mehr erklären. Also warum ist das Zeug so teuer? Erstaunlicherweiser sind sich bei dieser Antwort Politik und Industrie absolut einig: Moderne Technologie hat nun mal ihren Preis. Aber ist diese Hightech wirklich sinnvoll oder notwendig? Hier kann ich mich nur dem anschließen, was der von mir sehr geschätze Felix Sandberg vor einiger Zeit hier im Blog zur Daring Class schrieb:
"Irgendwie scheint mir das alles Beschäftigungstherapie für Elektroniker und Subvention für die entsprechende Industrie zu sein. Für den selben Preis könnte man Hunderte von alten Flower-Class-Korvetten in Dienst bringen, und jede einzelne von denen würde mit den Piraten im Indischen Ozean besser fertig als diese Hochtechnologie-Plastiktiger."
Natürlich macht es sich immer gut wenn man sagen kann "Wir haben die fortschrittlichste Technik", aber man muss sich ernsthaft fragen, ob dies noch im Verhältnis zu den ernormen Kosten steht. In der Tat scheint es bei einer Reihe von Projekten mehr um das Prestige als die tatsächliche Notwendigkeit der Beschaffungsmaßnahme zu gehen. Gute Beispiele hierfür liefert die Royal Air Force. Warum schafft man sich für rund 85 Mio. € pro Stück den völlig überteuerten Eurofighter an? Warum kauft man für einen Stückpreis von über 100 Mio. € den Airbus A400M, von dem niemand so genau weiß, wann er denn nun kommt und ob er auch nur annährend die versprochene Leistung erbringt? Weil es hier um Politik geht. Man will seine europäischen Partner nicht verärgern und ein Rückzug aus solchen Projekten wäre ja ein Eingeständnis des Scheiterns gegenüber anderen Nationen. Nun ja, das kann man so sehen ... muss man aber nicht. Die USA bieten mit der C-17 Globemaster und der C-130 Hercules gute und vor allem bewährte Alternativen zum A400M an und der Eurofighter ist nun bei weitem nicht das einzige leistungsfähige Kampfflugzeug auf dem Markt.
Bei der Marine mag das finden von ausländischen Alternativen, auch aufgrund eines höheren Stellenwerts dieser Bechaffungen in der breiten Öffentlichkeit, schwieriger sein, aber auch hier ist weniger manchmal mehr und das heißt in diesem Fall: weniger Hightech, mehr Schiffe. Ein Zerstörer der Daring Class mag noch so modern sein und dennoch kann auch er sich nicht an zwei Orten gleichzeitig aufhalten. Was bringt einem das leistungsfähigste Luftabwehrsystem der Welt, wenn es im Ernstfall nicht vor Ort ist, weil man einfach zu wenige dieser Schiffe hat? Und seit wann setzen Piraten luftgestützte Anti-Schiff-Raketen der neuesten Generation ein? Zudem haben Angriffe wie die auf die israelische Korvette INS Hanit und den US-Zerstörer USS Cole deutlich gezeigt, dass manchmal auch die modernste Technik nutzlos ist.
Nicht vergessen werden darf natürlich die generelle Frage, warum moderne Technologie eigentlich so teuer ist. Der Grund ist denkbar einfach: sie ist zu kompliziert. Hierbei sind die Produktionskosten in immer mehr Fällen gar nicht der entscheidende Faktor, sondern die Kosten für die Entwicklung. Diese steigen schnell in astronomische Höhen, wenn etwas doch nicht auf Anhieb so funktioniert wie erwartet und dann aufwendig nachgebessert werden muss. Dies führt zum nächsten Problem, der Entwicklungszeit. Da sich die Entwicklung aufgrund von Problemen mit der Technik immer wieder in die Länge zieht, steigen natürlich auch die Kosten, denn die Rüstungskonzerne wollen natürlich für den zeitlichen Mehraufwand entschädigt werden.
An dieser Stelle muss ich nun auch einmal an den Rüstungskonzernen, die ich sonst gegenüber Aktivisten und Pazifisten häufig und gerne in Schutz nehme, deutliche Kritik üben. In vielen Fällen geben diese beim Einreichen ihrer Konzepte bewusst vollkommen unrealistische Entwicklungskosten und -zeiträume an, um erst einmal den Auftrag zu kriegen. Diese Unternehmen sind sich schließlich sehr bewusst, wie staatliche Rüstungsbeschaffung funktioniert: Wenn der Auftrag erstmal vergeben ist, dann zahlt der Staat, egal wieviel nachträglich noch gefordert wird. Insofern muss nur erst einmal das eingereichte Angebot gut aussehen, der Rest erledigt sich von selbst. Nur in wenigen Fällen, wie beim Bau der USS Makin Island, müssen die Rüstungskonzerne tatsächlich finanziell für ihre Fehler einstehen. Natürlich ist an dieser Situation auch der Staat nicht unschuldig, der sich immer wieder an der Nase herum führen lässt. Irgendwann sollte es doch auch im Verteidigungsministerium mal jemandem auffallen, dass man hier systematisch verarscht wird.
Natürlich gibt es aber (zumindest gelegentlich) auch Verzögerungen, für die nicht die Konzerne sondern der Staat die Schuld trägt. Wenn die Regierung wie bei den Flugzeugträgern der Queen Elizabeth Class oder der Future Surface Combatant jahrelang überhaupt keine Ahnung hat, ob sie diese Schiffe eigentlich will und wenn ja in welcher Form und entsprechend wichtige Entscheidungen immer wieder verschiebt, darf sie sich am Ende nicht über die gestiegenen Kosten wundern. Man stelle sich mal vor, Churchill und seine Minister hätten sich im Zweiten Weltkrieg so angestellt wie jetzt Brown und Konsorten ... da hätten sich die Deutschen gefreut.
Also, back to basics, besonders wenn das Geld nicht mehr so locker sitzt. Einfachere, günstigere Waffensysteme, die ihren Zweck tun. Technik einfach um der Technik willen anzuschaffen ist definitiv kein gutes Konzept. Und bei der Gelegenheit sollte man einmal darüber nachdenken, ob es wirklich sinnvoll ist, Politiker über solche Dinge entscheiden zu lassen anstatt einfach mal diejenigen zu Fragen, die sich wirklich damit auskennen - das Militär.
