Großbritannien ist derzeit mit über 8.000 Soldaten in Afghanistan präsent und stellt damit das mit Abstand größte Kontingent nach den USA. Den Truppen stehen vor Ort jedoch lediglich 16 Transporthubschrauber zur Verfügung, so dass regelmäßig Konvois über Land geschickt werden müssen, die eigentlich für den Lufttansport vorgesehen sind. Dies setzt die Soldaten einem erheblich erhöhten Sicherheitsrisiko aus und ist ein wesentlicher Grund für die hohen britischen Opferzahlen der letzten Monate. Um diesen Engpass zu beseitigen, erwägt das Verteidigungsministerium nun Hubschrauber von anderen Nationen zu mieten, um sie in Afghanistan einzusetzen.
So lobenswert es auch erstmal ist, dass man in London endlich erkannt hat, dass mehr Hubschrauber benötigt werden, so muss man sich doch die Frage stellen, ob diese Situation nicht vermeidbar gewesen wäre. Die Helikopterflotte wurde in den vergangenen 10 Jahren um gut 25 Prozent verkleinert, gleichzeitig sank die durchschnittliche Einsatzbereitschaft der Hubschrauber von 70 auf 55 Prozent, bei einzelnen Hubschraubertypen liegt die Quote sogar nur noch bei etwa 30 Prozent. Grund hierfür sind, laut offiziellen Angaben, "Maßnahmen zur Effizienzsteigerung", oder im Klartext: Sparmaßnahmen. Dass es unter diesen Bedingungen zu einem Engpass kommen würde war absehbar - allerdings scheinbar nicht für die Damen und Herren in Whitehall.
Eigentlich hätte die Erfahrung mit der Reduzierung der Transportflugzeuge dem Verteidigungsministerium eine Lehre sein müssen, doch dem ist wohl nicht so. Beinahe täglich landen beispielsweise seit Ende April gecharterte amerikanische DC-10 Flugzeuge auf dem Flughafen Hannover, um von dort britische Einheiten der
1st Armoured Division in den Irak und nach Afghanistan zu transportieren, da der Royal Air Force inzwischen nicht mehr genug eigene Flugzeuge zur Verfügung stehen. Die Kosten für das Anmieten dieser Maschinen sind inzwischen höher, als wenn man eine entsprechende Anzahl eigener Flugzeuge für diesen Zweck bereitgehalten hätte. Das selbe Resultat ist nun auch bei der geplanten Anmietung zusätzlicher Transporthubschrauber zu erwarten. Wieder einmal ein trauriger Beleg dafür, wie gut durchdacht die "Sparpolitik" der Regierung wirklich ist.